Auf Inhalt übergehen
Dienstleistungen für Ihren Erfolg in Tschechien
+420 296 348 207 Václavské náměstí 66, 110 00 Praha 1
Dienstleistungen für Ihren Erfolg in Tschechien
+420 296 348 207 Václavské náměstí 66, 110 00 Praha 1

Elektronische Erfassung von Umsätzen in Tschechien

Am ersten Dezember 2016 wurde in Tschechien die Elektronische Erfassung von Umsätzen (EET) eingeführt. Die tschechischen Politiker haben dieses Gesetz nach langen Debatten im April 2016 verabschiedet.

Es wurde ein System der elektronischen Kommunikation per Internet zwischen dem Steuerpflichtigen und der Steuerbehörde gewählt. Der Steuerpflichtige kann für die elektronische Erfassung seiner Umsätze eine Anlage je nach Art seiner Geschäftstätigkeit wählen (z.B. eine Kasse, Kassensystem, Tablet oder Mobiltelefon mit Drucker). Das Gesetz schreibt dem Steuerpflichtigen den Einsatz von konkreten Zertifizierungsanlagen, z.B. Registrierkassen nicht vor.

Termine der Einführung

Die Einführung ist in folgenden Etappen geplant: ● 1. Phase – ab 1. Dezember 2016 – Hotel- und Gaststättengewerbe (z. B. auch gelegentliche Imbissverkäufer) ● 2. Phase – ab 1. März 2017 – Einzelhandel (z.B. auch Obstverkauf an Straßen) und Großhandel ● 3. Phase – ab 1. März 2018 – sonstige Tätigkeiten außer der für die Phase 4. geplanten Tätigkeiten (z.B. Freiberufler, Transport, Landwirtschaft) ● 4. Phase – ab 1. Juni 2018 – ausgewählte Handwerkerberufe und Produktionstätigkeiten.

Das Gesetz über EET wird offen nicht nur von den Händlern sondern auch von den Politikern und Experten kritisiert. Manche verstehen diese Maßnahme als einen Schritt zur Erfüllung von Visionen einer totalen Staatsüberwachung wie aus den Romanen George Orwells. Trotz der Kritik und angeregter Diskussion sind bereits mehr als 92% der Unternehmen im System registriert und der Start der Erfassung ist ohne größere Probleme gelungen. Laut dem Finanzministerium geht es um eine der wichtigsten systemischen Maßnahmen seit 1993.

Warum wurde dieses Gesetz in Tschechien verabschiedet?

Zu den häufigsten Argumenten für die Einführung von EET gehören vor allem die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und ein gerechteres Unternehmerumfeld. Im Jahre 2017 sollte EET der Staatskasse Mehreinnahmen i.H. von ca. 15,7 Milliarden tschechische Kronen einbringen. Die zusätzlichen Kosten für die Unternehmen sollten durch die ermäßigte Mehrwertsteuer (von 21% zu 15% für das Gaststättengewerbe) und die einmalige Steuerermäßigung von 5000 tschechischen Kronen kompensiert werden.

Trotz der Kompensierung haben tausende kleine Unternehmer eine Betriebseinstellung gemeldet, da die Einführung der elektronischen Erfassung für manche Unternehmer eine Liquidation bedeutet. Viele Unternehmer haben bereits im November bekannt gemacht, dass sie eine Preiserhöhung planen. Und es geht nicht nur um die Zusatzkosten sondern auch um die Benutzung des Meldesystems. Die Unternehmer haben gemeldet, dass sie wegen dem langsamen System mehr Arbeitskräfte anstellen müssen, damit sie ihre Kunden schnell genug bedienen können. Von den 616 befragten Unternehmern sagten 49 Prozent aus, dass dieses Gesetz eine negative Auswirkung auf ihr Geschäft haben wird. Eine Liquidation erwarten 14% und lediglich ca. 20% erwarten keine negativen Effekte.

Das Gesetz über die Einführung der elektronischen Erfassung von Umsätzen beinhaltet noch ein weiteres heftig umstrittenes Instrument. Jeder Kunde, der in einem Geschäft oder einem Restaurant keine Quittung erhält, hat die Möglichkeit, den Betreiber bei der Finanzverwaltung anzuzeigen. Die Finanzverwaltung muss dann das Unternehmen kontrollieren und wird höchstwahrscheinlich in den meisten Fällen eine Geldbuße verhängen. Momentan sind die tschechischen Kunden gar nicht gewohnt, eine Quittung aktiv zu fordern. Um das Interesse der Kunden an Quittungen zu erhöhen, beinhaltet das Gesetz die Möglichkeit der Veranstaltung einer öffentlichen „Quittungslotterie“, an der jeder Halter von einer Quittung teilnehmen kann. Die konkrete Form und weitere Bedingungen dieser Lotterie werden noch von dem, vom Finanzministerium in einer öffentlichen Ausschreibung ausgewählten, Betreiber bekannt gegeben.

 

Ausführliche Informationen zu unseren Dienstleistungen im Bereich Steuerberatung und Buchhaltung finden Sie hier.

Autor: Datum der letzten Änderung: 18.9.2017

Weitere Artikel

7.11.2017

Wahl in Tschechien 2017

In Tschechien wurde das neue Abgeordnetenhaus gewählt. Seit der letzten Wahl im Jahr 2013 hat sich einiges verändert. Der deutsche Nachbar hat deutlich gezeigt, dass die Ära der etablierten Parteien zu Ende ist.

3.11.2017

Tschechiens Wirtschaft wird 2017 um 4,3% steigen

Das Wirtschaftswachstum in Tschechien kennt kein Limit, schon das zweite mal dieses Jahr wurde die Prognose (für 2017) vom tschechischen Bankenverband (CBA) nach oben korrigiert. Nachdem im April von 2,6% die Rede war und im Juli die Prognose 3,2% betrug, wird nun von einem Wachstum von 4,3% im Jahr 2017 gesprochen.

27.10.2017

Tschechien: Attraktivstes Land in Mittelosteuropa

Tschechien ist für Investoren mit Abstand das attraktivste Land in Mittelosteuropa, das geht aus dem „International Business Compass“ des Wirtschaftspüfungsunternehmes BDO hervor. In Zusammenarbeit mit dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) wird dieser Index jedes Jahr erstellt und misst die Attraktivität der Staaten weltweit.

18.10.2017

Airbnb in Tschechien

Das Ferienwohnungsportal Airbnb spielt in Tschechien eine immer größere Rollen. Das seit 2009 auf dem tschechischen Markt agierende Unternehmen hat die heimische Wirtschaft in den letzten 12 Monaten (01.09.2016-01.09.2017), nach eigenen Angaben, um 3.9 Milliarden CZK (156 Mio. €) bereichert.

11.10.2017

Europäische Bankenaufsichtsbehörde bald in Prag?

Der Brexit zieht einige Konsequenzen mit sich, so auch den Umzug von zwei EU Behörden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) werden von London in Städte innerhalb der EU verlagert.

3.10.2017

Expat Insider Umfrage sieht Tschechien als eines der besten Länder für Zuwanderer

Die jährliche Umfrage vom Expat Insider zum Thema „Leben von Auswanderern“ bestätigt wieder einmal, dass Tschechien zu den lebenswertesten Ländern der Welt gehört. Bei der Umfrage wurden über 12.500 Personen aus 166 Nationen befragt, die in über 188 verschiedenen Ländern leben und arbeiten. Hierbei ging es um die Bewertung ihres Lebens als Auswanderer.